
Die große Industrie- und Hafenstadt an der Mündung der Seine (ca. 60 km von unserem Ferienhaus entfernt) hat bei Touristen wie auch bei den Franzosen keinen schillernden Ruf – und das völlig zu Unrecht. Im Verhältnis zu anderen altehrwürdigen Städten Frankreichs mit bis zur Römerzeit zurückreichenden Wurzeln, ist Le Havre noch eine relativ junge und moderne Stadt, die dennoch auf eine sehr wechselhafte Geschichte zurückblicken kann.
Gegründet im 14. Jahrhundert und unter Richelieu im 17. Jahrhundert zur Garnisonsstadt ausgebaut, gewinnt die Stadt vor allem aufgrund des Handels mit der jungen Republik USA an Bedeutung und Reichtum. Das Jahr 1944 markiert jedoch einen drastischen Wendepunkt in der Geschichte: aufgrund der strategischen Bedeutung unter der nationalsozialistischen Besatzung stand Le Havre immer wieder unter massiven Beschuss, so dass die Stadt schließlich zu 85% in Schutt und Asche gelegt war.
Gegründet im 14. Jahrhundert und unter Richelieu im 17. Jahrhundert zur Garnisonsstadt ausgebaut, gewinnt die Stadt vor allem aufgrund des Handels mit der jungen Republik USA an Bedeutung und Reichtum. Das Jahr 1944 markiert jedoch einen drastischen Wendepunkt in der Geschichte: aufgrund der strategischen Bedeutung unter der nationalsozialistischen Besatzung stand Le Havre immer wieder unter massiven Beschuss, so dass die Stadt schließlich zu 85% in Schutt und Asche gelegt war.
Das Architekturbüro Auguste Perret wurde damit beauftragt, einen Masterplan für die Stadt zu erstellen. Kurz nach Kriegsende begann man mit dem Wiederaufbau im Geiste Le Corbusiers. Die enormen Schuttberge wurden dabei auf originelle Weise zu Beton verarbeitet: durch die spezielle Mischung und Einfärbung entstand eine einzigartige Struktur und Oberflächengestaltung – eine völlig neue Betonästhetik. Straßengestaltung und Gebäudeformationen des neuen Zentrums erinnern teilweise an die Interpretationen des sozialistischen Realismus (hier insbesondere die ehemaligen „Arbeiterpaläste“ der Karl-Marx-Allee in Ost-Berlin) oder an den Modernismus von Oscar Niemeyer. Der weltberühmte Architekt (u.a. plante er die südamerikanische Hauptstadt Brasilia) hat mit dem Kulturzentrum‚Le Volcan’ auch in Le Havre seine Spuren hinterlassen.
Diese ‚Neugründung’ Le Havres war in der Bevölkerung heftig umstritten – viele Franzosen sprachen von einer zweiten Zerstörung der Stadt und konnten sich mit der modernen Architektur nicht anfreunden. Doch die (zumeist kommunistischen) Stadtväter haben sich durchgesetzt – und damit Le Havre zu einer einzigartigen, modernen und durchaus wieder attraktiven Großstadt werden lassen.
LE HAVRE - "Je vis ailleurs" Die offizielle Werbung für die Stadt (Fr)
Mit der Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe im Juli 2005 wurde so der geschundenen Stadt doch noch die gebührende Ehre zuteil. Besonders zu empfehlen ist ein Besuch im Museum André Malraux – hier befindet sich die nach dem Musée d’Orsay in Paris größte und bedeutsamste Sammlung impressionistischer Malerei. Unter den vielen architektonischen Meisterleistungen ist neben dem „Vulkan“ Oscar Niemeyers vor allem die Kirche Saint-Joseph zu nennen: ein lichtdurchfluteter, moderner Tempel mit einem einhundert Meter hohen, markanten 8-eckigen Turm, welcher an die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges mahnend erinnert.

Auch wenn es sich nicht mit pittoresken Örtchen der Normandie wie Honfleur oder Fécamp messen kann und will, hat Le Havre einen ganz besonderen Flair, den man als Besucher der Normandie nicht verpassen sollte. Und an der neu gestalteten Strandpromenade kann man ganz vorzüglich Essen & Trinken – und den großen Ozeanriesen auf ihrer Reise über die Meere nachsehen...
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1 Kommentare:
Le Havre ist eine Stadt, die man sich erschließen muß. Eben, weil sie nur modern ist. Aber, wer's idyllisch mag, der fährt dann einfach über den Pont de Normandie nach Honfleur und setzt sich am Vieux Bassin in eines der Restaurants und Cafés. Voilá!
Grüße
Franz Roth
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